Privacy Preserving Disease Tracking – Digitale Lösungen für ein datenschutzfreundliches Corona-Tracking

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Digitalisierung bietet in Zeiten des notwendigen „Social Distancing“ die Möglichkeit, trotzdem Kontakte zu pflegen, gemeinsam zu arbeiten, sich auszutauschen – und darüber hinaus große Datenmengen zu sammeln und auszuwerten, um Prognosen zu erstellen, Entscheidungen zu erleichtern, aber auch um eine Kontrolle oder sogar Überwachung möglich zu machen.  

Handytracking im Kampf gegen Corona

Die Idee, Handyortungsdaten auszuwerten, um Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln und so die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) ins Spiel gebracht. Neben der Auswertung der anonymisierten Mobilfunkdaten, die die Telekom zur Verfügung gestellt hat, wird auch an einer App gearbeitet, die personalisierte Daten auswertet. [i] Von seinem ursprünglichen Plan, das Handytracking im Rahmen eines Gesetzes,  „für den Fall einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite“ zu ermöglichen, ist Jens Spahn nach heftiger Kritik, u.a. des Bundesdatenschutzbeauftragten, inzwischen abgerückt.[ii]

Aber fordert eine konsequente Pandemie-Eindämmung tatsächlich den Verzicht auf bürgerliche Grundrechte und Maßnahmen zulasten des Datenschutzes?

#WirvsVirus: Als Gesellschaft gemeinsam Lösungen finden

Im Rahmen des deutschlandweiten Online-Events #WirvsVirus, dem Hackathon der Bundesregierung (20.–22. März 2020), haben sich gleich mehrere Projekte mit dieser Frage auseinandergesetzt und über datenschutzfreundliche und gleichwohl zielführende Alternativen nachgedacht, Lösungen entwickelt und getestet.

Projekt: Privacy Preserving Disease Tracking

Unsere Beraterin Vera Kreuter war eine der über 27.000 engagierten Teilnehmer*innen. Ziel ihres Projekts „Privacy Preserving Disease Tracking“: Eine Anwendung entwerfen, mit der Benutzer*innen nachverfolgen können, ob sie mit Infizierten Kontakt hatten und demnach selbst ein erhöhtes Infektionsrisiko haben – und gleichzeitig die rechtlich problematische und politisch umstrittene zentrale Sammlung von GPS-Bewegungsprofilen der Bürger zu vermeiden.

Die Idee:  Jedes Smartphone, auf dem die App läuft, trackt selbst durch periodisch wechselnde anonyme IDs, mit welchen anderen Smartphones es in Kontakt kommt. Steckt sich eine Benutzerin mit Corona an, meldet sie ihre eigenen anonymen IDs als potenziell ansteckend und alle anderen können auswerten, mit wie vielen potenziell Ansteckenden sie in der letzten Zeit Kontakt hatten, ohne dass Bewegungsdaten oder persönliche Daten übermittelt oder gesammelt werden können. Da es für den Erfolg dieses Ansatzes vor allem darauf ankommt, dass viele mitmachen, hat das Team ein einfaches Protokoll entworfen, das in neue und in bestehende Apps integriert werden kann – etwa in Nachbarschafts-Apps wie nebenan.de, in Messenger-Apps oder auch in Apps, die Krankenkassen ihren Versicherten zur Verfügung stellen.

Projekt „Privacy Preserving Disease Tracking“

Unter den 1200 #WirvsVirus-Teams waren weitere, die ähnliche Ideen hatten. Die Projekte und Teams haben sich vernetzt und sind aktuell dabei, die gemeinsame Grundidee – ein datenschutzfreundliches Corona-Tracking – weiterzuentwickeln und umzusetzen.

 

[i][i] Vgl.: Süddeutsche Zeitung (18.03.2020): Warum die Telekom Bewegungsdaten von Handynutzern weitergibt. Online unter: https://www.sueddeutsche.de/digital/coronavirus-telekom-smartphone-tracking-datenschutz-1.4850094

[ii] Vgl. Handelsblatt (22.03.2020): Gesundheitsminister Spahn rudert bei Handytracking zurück. Online unter:  https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/corona-eindaemmung-gesundheitsminister-spahn-rudert-bei-handytracking-zurueck/25670426.html?ticket=ST-296548-B3qeurasRUcfP0wiXddS-ap3

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