FHIR – Der Standard für den interoperablen Datenaustausch im Gesundheitswesen

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FHIR Interoperabilität im Gesundheitswesen

Niemand stellt in Zukunft noch die Frage, wie man neben Vertraulichkeit und Datensicherheit die Interoperabilität der persönlichen Daten ermöglicht: FHIR hat sich als modern, geeignet und populär nun auch im deutschen digitalen Gesundheitswesen etabliert und ist das Universalwerkzeug für den strukturierten und standardisierten Datenaustausch von medizinischen Daten.

Im Vordergrund steht die Abstimmung, die Einigung, die Vereinbarung – denn wie das „Werkzeug“ FHIR zu gemeinsam genutzten fachlichen Profilen für die mannigfaltigen Anwendungsfälle eingesetzt wird, ist ein interaktiver und zu koordinierender Prozess. Die Bandbreite ist dabei groß: Apps (z.B. in Form von DiGAs oder DiPAs), Medizinische Informationsobjekte („MIOs“) für die ePA , das eRezept und alle zukünftigen TI-Anwendungen setzen auf FHIR ebenso wie auf standardisierte Terminologien und Ontologien (ICD10, LOINC, Snomed etc).

Der interoperable Informationsaustausch ist sternförmig und lässt sich nicht bilateral oder herstellerspezifisch definieren. Dies bedeutet große Herausforderung für die Definition und Konsentierung der Standards durch gematik, KBV im Dialog mit Anwendern und Industrie. Für die Anwendungen elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) und das elektronische Rezept (eRezept) ist diese Konsentierungsarbeit abgeschlossen. Bei beiden Anwendungen handelt es sich um eine unidirektionale Kommunikation, die aufgrund bereits existierender Mustervorgaben relativ einfach zu definieren ist. Wie gut dies gelungen ist, werden wir ab dem 1. Januar 2022 beobachten können, wenn die Anwendungen im Feld anlaufen.

Beim dem bidirektionalen Austausch von Arztbriefen und Befunden ist die Anwendung herausfordernder. Die Konsentierung ist mit dem eArztbrief bzw. eEntlassbrief (Projekt IsIK der gematik) weitgehend abgeschlossen. Die Herausforderungen liegen hier in der Anwendung. Der Nutzer wünscht sich in der Rolle des Empfängers, dass möglichst alle Information für den Bedarfsfall feinstrukturiert bis auf die Einzeldiagnose oder den einzelnen Laborwert per Knopfdruck in sein System übernommen wird. In der Rolle des Senders sind aber nur wenige gewillt, diesen hohen Strukturierungsgrad zu erzeugen. Das offene und flexible Format von FHIR hat Vorteile, fordert aber auch die Umsetzer wie PVS- und KIS-Hersteller, da es Interpretationsfragen nicht abschließend klärt.

Besonders spannend wird es beim multidirektionalen Austausch von Medikationsinformationen (Fachanwendung Elektronischer Medikationsplan / EMP), insbesondere beim Überschreiten der Sektorengrenze, wenn ambulante und stationäre Verordnung unterschiedliche Hauskataloge für die gleichen Wirkstoffe nutzen. Die entsprechende MIO ist noch nicht abschließend definiert, es existieren aber bereits Erfahrungen / Vorlagen aus bereits getätigter Konsentierungsarbeit. Das Format eMDAF ist sowohl als CDA als auch als entsprechendes FHIR-Bundle verfügbar. Für die Anwendung zeigt sich, dass es einen Kümmerer braucht, der die Korrektheit der Informationen bestätigt – sei es, dass es sich um den Hausarzt oder Facharzt, einen Apotheker oder den Patienten selbst handelt. Wer dieser Kümmerer wird, ist eher eine politische Frage als eine Frage des Datenformats, nichtsdestotrotz für eine nutzenbringende Anwendung essentiell.

Fazit: Egal ob erster oder zweiter Gesundheitsmarkt, ob DiGA oder PVS und KIS, ob Mitarbeiter:in in Krankenhaus oder Kassen – FHIR und Interoperabilität wird zukünftig neben Datenschutz und Informationssicherheit eines der zentralen Querschnittsthemen werden, welches über Wohl oder Wehe des Erfolgs von Anwendungen und Projekten entscheidet.

Wir sind dabei – Deutscher Interoperabilitätstag am 25.10.2021!

Beschäftigt Sie das Thema FHIR oder gehören Sie zu einer der oben genannten Gruppen? Sprechen Sie uns an – unsere Experten, Herr Andreas Grode und Dr. Thies Eggers nehmen an der Veranstaltung teil und freuen sich über eine Kontaktaufnahme und Ihre Fragen!

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