Kooperation statt Konflikte beim E-Rezept – aber noch keine Standards

E-Rezept Diskussion moderiert von Thies Eggers

„Erst das E-Rezept macht Telemedizin zum Erfolg.“ Dieses Zitat von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn illustriert sehr gut, warum das Ablösen der Verordnungsvordrucke für Medikamente in Arztpraxen und Apotheken entscheidend für die Akzeptanz von E-Health-Anwendungen ist. Nicht nur deshalb habe ich gerne die Moderation einer Diskussionsrunde auf der diesjährigen Branchenmesse DMEA übernommen, die sich mit dem Thema „E-Rezept – gemeinsam in die Zukunft? befasste.
Denn zugleich sorgt das „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ (GSAV) für besondere Umstände: Anders als bislang üblich, soll der „Markt“ nicht erst dann technische Lösungen liefern, nachdem die gematik als Betreibergesellschaft für die elektronische Gesundheitskarte die Spezifikation für das E-Rezept festgelegt hat. Vielmehr fordert der Gesetzgeber mit dem GSAV die Akteure im Gesundheitswesen auf, schon jetzt Projekte mit alternativen technischen Lösungen zu entwickeln und so der gematik wichtige Impulse für das künftige E-Rezept zu liefern.

Wille zur Zusammenarbeit überwiegt

Doch wie gehen die Akteure mit dieser neuen Vorgehensweise um? Wie Konkurrenten oder als Partner? In der Tat vertraten die Teilnehmer der Runde durchaus unterschiedliche Interessenlagen: Christian Krüger (Netzgesellschaft Deutscher Apotheker), Christian Buse (Bundesverband Deutscher Versandapotheken), Tim Steimle (Techniker Krankenkasse), Dr. Amin-Farid Aly (Bundesärztekammer) und Dr. Frank Oemig (HL7 Deutschland) debattierten engagiert über die weiteren Schritte hin zu einem E-Rezept. Trotz unterschiedlicher Standpunkte überwiegt aber nach meinem Eindruck ganz offenkundig der Wille zur Zusammenarbeit.

So treten traditionelle Konflikte zwischen klassischer Apotheke und Versandhandel offenbar in den Hintergrund, wenn das Nutzenerleben der Versicherten erst einmal im Vordergrund steht. Zugleich spüren Versandhandel und stationäre Apotheke besonderen Handlungsdruck, weil Versicherte auch künftig die Wahl haben werden, wo sie ein (E-)Rezept einlösen – vor Ort oder im Web. Entsprechend motiviert zeigten sich die Vertreter von Apothekenseite, die vom Gesetzgeber eingeforderten Projekte rund um das E-Rezept voranzutreiben. Ärzteschaft und Krankenkassen wiederum waren sich darin einig, den bürokratischen Aufwand für das Praxispersonal beim Versand des künftigen E-Rezeptes zu minimieren, eben weil der Nutzen für die Versorgung der Patienten unbestritten ist.

Sich beim Datenaustausch von vorneherein auf ein internationales Prozess- und Informationsmodell von HL7 zu einigen, wurde dagegen von der Mehrheit als unnötig gesehen – ganz andere Fragen stünden derzeit im Vordergrund. Frank Oemig von HL7 zeigte sich entsprechend enttäuscht, betonte jedoch, dass Pragmatismus in den Projekten und Standardisierung kein Widerspruch seien und mittelfristig alle davon profitierten – so wie in allen anderen europäischen Ländern auch. Das öffentliche Kommentierungsverfahren beginnt bald und steht jedem offen.

Frische Impulse für die gematik

Auf meine abschließende Frage in die Runde „Wie können Sie die gematik bei Ihrer Arbeit unterstützen, und was hindert Sie daran?“ fielen die Antworten unterschiedlich aus. Statt des branchenüblichen gematik-Bashings war aber deutlich die Bereitschaft zur „Zulieferung“ zu vernehmen, was wiederum der eine oder andere gematik-Mitarbeiter im Publikum mit einem Lächeln quittierte. Dass dabei als Impuls für die gematik weit mehr herauskommen muss als ein mit dem Smartphone abfotografiertes Papierrezept, wie ich zu Beginn der Diskussionsrunde scherzhaft vorschlug, versteht sich von selbst.

Mal sehen, wo wir beim Thema E-Rezept bei der DMEA im nächsten Jahr stehen!


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