Innovativ und agil im Gesundheitswesen. Geht das?

Diesen Monat haben wir ein sehr interessantes Interview mit Dr. Jens Finnern, Geschäftsführer der management systems gmbh

Die management systems gmbh bietet „Innovative IT-Lösungen im Gesundheitswesen“. Was verstehen Sie unter innovativ?

Unter innovativ verstehen wir, das unsere Lösungen die Fragen unserer Kunden immer wieder neu, anhand des sich ständig wechselnden Werkzeugkastens der IT, beantworten. Innovativ heißt für uns in diesem Kontext aber ebenso, dass wir die fachlichen Anforderungen detailliert erfassen, bewerten und daraufhin unseren technischen Lösungen ausrichten. Aktuell können wir bspw. Fragen auch mit den technischen Konzepten, die sich hinter Mobil, Cloud und Google oder Facebook verbergen beantworten. Wobei wir genau diese Ideen neu im Kontext der Aufgaben unserer Kunden durchdenken und so zu unkonventionellen Lösungen verknüpfen, die man eben nicht „out of the box“ kaufen kann.

Allgemein hat Innovation ja etwas mit Neuem zu tun. Wie sorgen Sie für Innovation in Ihrem Unternehmen? Wie stellen Sie sicher, innovativ zu bleiben?

Innovation beruht auf der Fähigkeit unterschiedliche Informationen in fachlichem und technischem Kontext zu sehen und diese in Produktlösungen abzubilden. Wir suchen gezielt nach den Menschen und versuchen diese für uns zu gewinnen. Das gelingt uns an unserem Standort sehr gut.

Wir haben zwischenzeitlich versucht, zusätzlich durch die Auslobung eines „Innovationspreises“ die Mitarbeiter noch stärker zu motivieren. Das hat aber nicht wirklich funktioniert. Vielmehr schaffen wir heute immer mal wieder Freiräume und Möglichkeiten, an sogenannten „ms days“, Ideen und neue Technologien kennenzulernen und selbst mit neuen Werkzeugen zu „spielen“.

Wie gehen Sie damit um, dass das deutsche Gesundheitswesen eher bedächtig mit Neuem scheint, fast am Rande zur Innovationsfeindlichkeit?

Das Thema ist nicht neu. Das Deutsche Gesundheitssystem ist durch seinen engen SGB V Mantel nicht innovationsfreundlich. Die Rahmenbedingungen zu ändern ist immer mal wieder auf der politischen Agenda, jedoch leider ohne Erfolg, wie auch die Diskussion um das eHealth Gesetz zeigt.

Wir haben mit unseren Kunden daher ein kontinuierliches Changemanagement vereinbart und arbeiten daher schon seit Jahren in interdisziplinären Arbeitsgruppen gemeinsam an der Modernisierung und somit durchaus auch innovativ.

Sie bieten automatisierte Prozesse für agile Arbeitsweise. Wie muss man sich das vorstellen? Wie verstehen Sie agile Arbeitsweise? Warum sehen Sie das als Vorteil für Ihre Kunden?

Wir verstehen Agilität im besten Wortsinn als beweglich, wendig, dynamisch. Auch wenn das Gesundheitssystem insgesamt wenig agil ist, müssen unsere Kunden und wir Prozesse und Lösungen häufig anpassen. Die Schwierigkeiten liegen in den sehr zergliederten und detailreichen Verfahren, die ohne Automatisierung nicht mehr beherrschbar sind. Gelegentlich gibt es substantielle Verfahrensanpassungen, mit denen wir gemeinsam termintreu umgehen müssen. Ein flexibles Vorgehensmodell gepaart mit modularen Frameworks schafft uns Spielraum für die jederzeit erfolgreiche Implementation der Lösungen in einem eher konservativen System.

Arbeiten Sie in Ihrem Unternehmen agil? Falls ja, warum und wie sind Ihre Erfahrungen? Falls nein, warum?

Ja, wir sehen aus den eben genannten Gründen gar keinen anderen Weg. Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit in engster, möglichst direkter Abstimmung mit den Anwendern unserer Lösungen sind der Schlüssel zu unserem Erfolg. Unsere Kunden müssen und können mit unserer Hilfe seit Jahrzehnten zuverlässig und immer termingerecht abrechnen – auch unter den schwierigen Rahmenbedingungen eines durch Politik und Gremien bestimmten Umfeldes. Agilität bedeutet bei uns nicht Chaos. Agilität ist ein wesentlicher Faktor, das Chaos zu beherrschen und Lösungen in geordneten Bahnen zu finden.

Außerhalb des Gesundheitswesens ist es eigentlich schon länger so, dass IT ja als Business Enabler gesehen wird, also dass IT nicht mehr nur eine Servicefunktion ist, die das MS Office stellt, sondern das Geschäftsmodell voranbringen soll. Wie sehen Sie das im Gesundheitswesen? Denken Sie IT ist eine strategische Komponente?

Die IT hat seinen Weg ins Gesundheitswesen gefunden. Natürlich gibt es an vielen Bereichen noch zu wenig IT Unterstützung,  nicht zuletzt auch deshalb, weil die Finanzierung häufig fehlt.  Die IT ist aber bei weitem noch keine strategische Komponente. Da schließt sich der Kreis zur Innovation.

Wie sieht Unternehmensstrategiefindung in einem mittelständischen Unternehmen aus?

Die Kenntnis des Marktes und die Antizipation seiner möglichen Veränderung spielt natürlich die herausragende Rolle bei der Strategiefindung.

Unsere Kunden erwarten vor allem Sicherheit. Deshalb ist aus unserer Sicht eine permanente, sanfte Migration mit Blick auf die sich verändernden Rahmenbedingungen ein wichtiger Teil der Unternehmensstrategie. Nur zufriedene Kunden sichern uns Wachstum !

Was sind Ihre Hoffnungsträger für beeindruckende Innovationen im Gesundheitswesen in den nächsten Jahren?

Wir sehen in der Kombination von Cloud- und auch mobilen Techniken die Möglichkeit insbesondere den Patienten am Gesundheitsgeschehen direkter zu beteiligen. In der Zukunft wird der Patient der Nachfrager von Gesundheitsleistungen werden, mobile Geräte sind längst dazu in der Lage, Lotse und Hilfe zugleich zu sein.

Die Möglichkeiten die bestehenden Datenschätze sinnvoll zu nutzen, sie aus neuen Perspektiven bewerten zu können und den bestehenden Datenschatz mit Livedaten zu bereichern, sind eine weitere Entwicklung, die es zu begleiten gilt.


Kommentare

  1. Ein sehr guter Post, der alles ausreichend zusammen fasst. Ich habe mich damals auch durch alle Anfänger-Guides gelesen bevor ich dann nutzliche Information gefunden habe. Sowas ist äußerst hilfreich! Es ist vor allem schön zu wissen, dass alle mal klein angefangen habe. Das ist zwar eigentlich klar, aber wird gern vergessen.

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