How to: Wie werde ich Innovationsführer in der Gesetzlichen Krankenkasse?

Es ist uns eine besondere Freude, dass der Interviewpartner des Monats Thomas Ballast, stellv. Vorsitzender des Vorstands der Techniker Krankenkasse, ist.

Die Techniker Krankenkasse wird unter den Gesetzlichen Krankenkassen oft als Innovationsführer gesehen. Sehen Sie das Unternehmen auch so? Was bedeutet für Sie Innovation und Innovationsführerschaft?

Es gehört zum Selbstverständnis der TK, ihren Kunden echte Innovationen im Gesundheitswesen möglichst schnell und unbürokratisch zugänglich zu machen. Denn wir möchten, dass unsere Versicherten frühzeitig vom medizinischen Fortschritt profitieren. Allerdings ist nicht jede Innovation mit medizinischen Fortschritt gleichzusetzen. Deshalb verstehen wir unsere Aufgabe auch darin, qualitativ gute von schlechten Angeboten zu unterscheiden. Die Kunden müssen sich darauf verlassen können, dass sie bei der TK eine qualitativ hochwertige Versorgung erhalten. Unser Versichertenwachstum zeigt, dass wir damit offensichtlich die Erwartungen der Menschen treffen. Insofern spielt die Förderung von echten Innovationen eine wichtige unternehmenspolitische Rolle bei der TK.

Gesetzlichen Krankenkassen gelten im Allgemeinen als träge. Hat die Techniker Krankenkasse eine Innovationsstrategie? Wie sorgen Sie ganz praktisch für Innovation in Ihrem Unternehmen?

Der nächste Satz mag plakativ klingen. Aber: Wir dürfen uns nicht auf unserem Erfolg ausruhen. Daher kommen bei der TK nicht nur Versorgungsangebote, sondern auch Strukturen und Prozesse regelmäßig auf den Prüfstand. Entscheidend ist, wandlungsfähig zu bleiben, ohne wichtige Erfolgsprinzipien über Bord zu werfen. Denn die Welt um uns herum verändert sich kontinuierlich. Aktuelles Beispiel: die Digitalisierung, die auch mehr und mehr unser Gesundheitssystem erfasst. Spätestens wenn solche Entwicklungen den Alltag der Menschen erreicht haben, prägen sie die Ansprüche und Bedürfnisse der Kunden. Hier gilt es, rechtzeitig die richtigen Akzente zu setzen.

Neue Ideen haben ist eines. Wie schaffen Sie es neue Ideen in die Wirklichkeit zu bringen? Wie schaffen Sie es, dass neu Ideen in Ihrem Unternehmen in die Routine einfließen?

Von der Idee eines Produkts bis zu dessen Marktreife kann es schon mal ein bis zwei Jahre dauern. Wichtig ist es deshalb, Trends frühzeitig zu erkennen und aufzunehmen. Dafür braucht es eine Kultur im Unternehmen, die grundsätzlich offen gegenüber neuen Entwicklungen ist. Mit über neun Millionen Kunden sind wir natürlich nicht mit einem Startup vergleichbar. Aber wir haben Strukturen und Prozesse innerhalb der TK geschaffen, die einerseits klar definieren, unter welchen Voraussetzungen wir neue Produkte auf den Markt bringen. Die andererseits so offen gestaltet sind, dass genügend Platz für Kreativität bleibt.

Innovation wird oft in Verbindung mit Technik gesehen. Technik alleine schafft aber noch keine Werte. Wie stehen Sie zu der These, dass es in Wirklichkeit auf Innovation bei Geschäfts- und Versorgungsmodellen ankommt und Technik bloß Hilfswerkzeug sein kann?

Fakt ist: Viele Versorgungsangebote sind ohne die entsprechende Technik nicht umsetzbar. Denken Sie an telemedizinische Modelle. Natürlich darf die Technik kein Selbstzweck sein. Aber solche Produkte würden sich auch nicht am Markt durchsetzen. Der technologische Fortschritt ist in vielen Fällen der Schlüssel, um Patienten eine bessere und effiziente medizinische Versorgung zur Verfügung zu stellen. Ich bin überzeugt: In Zukunft wird die Technik sogar noch einen größeren Stellenwert in der Medizin einnehmen. Stichwort Bionik. Die Verbindung von Mensch und Maschine wird weiter zunehmen. In 20, 30 oder 40 Jahren wird es wahrscheinlich relativ normal sein, dass technische Produkte Körperfunktionen übernehmen und implantierte Chips regelmäßig den Gesundheitszustand überwachen.

Wie stehen Sie zu den aktuellen Hype-Themen Mobile Health und Quantified Self? Was halten Sie von Big Data? Werden diese technologischen Möglichkeiten das deutsche Gesundheitswesen verändern?

Die technischen Möglichkeiten, die hinter Begriffen wie “Mobile Health” oder “Quantified Self” stehen, verändern schon heute das Gesundheitswesen. Insbesondere das Smartphone hat dazu beigetragen, dass die Gesundheit digitaler wird. Immer mehr Menschen nutzen zum Beispiel Gesundheits-Apps. Dahinter steht die Überzeugung: Je mehr ich über meinen Körper weiß, desto besser und schneller kann ich intervenieren, um meine Gesundheit zu optimieren, oder um besser mit meiner – oftmals chronischen – Erkrankung umzugehen. Wir begrüßen es grundsätzlich, wenn die Versicherten mithilfe digitaler Versorgungsangebote mehr Verantwortung für sich und ihre Gesundheit übernehmen. Von diesem präventiven Ansatz profitiert auf lange Sicht das gesamte Gesundheitswesen. Natürlich produzieren die User gleichzeitig immer mehr Gesundheitsdaten. Deshalb sollten sie darauf achten, verantwortungsvoll mit ihren Daten umzugehen. Aber unter dem Strich überwiegen nach Ansicht der TK die Vorteile, die die Digitalisierung mit sich bringt. Aus diesem Grund bieten wir unseren Kunden verschiedene elektronische Helfer für die Gesundheit an: angefangen bei Online-Gesundheitscoaches über telemedizinische Angebote bis hin zu Versorgungs-Apps für Diabetiker und Allergiker. Der Anspruch der TK ist es, digitaler Marktführer zu sein.

Was sind Ihre Hoffnungsträger für spannende oder besondere Innovationen im deutschen Gesundheitswesen in den nächsten Jahren?

Beim Thema “Digitale Gesundheit” sind wir in Deutschland sicher noch nicht am Ende der Entwicklung angelangt. Wenn sich das “Internet der Dinge” in immer mehr Lebensbereichen der Menschen ausbreitet, wird es wahrscheinlich auch als Katalysator im Bereich der Gesundheit dienen. Hier werden wir sicher noch einige spannende Innovationen erleben. Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass der technologische Fortschritt – wie in der Vergangenheit auch – die Möglichkeiten von Therapie und Diagnostik immer weiter verbessert.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Welche Herausforderung wollen Sie meistern?

Lassen Sie uns sprechen