DVG: Deutschland im internationalen Vergleich mit den besten Rahmenbedingungen?

icon

Die DiGAs kommen. Geplantes Inkrafttreten des DVG: Anfang 2020. Vor allem die „App auf Rezeptkönnte Deutschland an die Position mit den besten Rahmenbedingungen für Innovation katapultieren, wirft aber auch viele Fragen auf. 

Diskutieren Sie noch, oder handeln Sie schon?

Diese Fragen zu diskutieren, dann aber auch den nächsten Schritt zu gehen und die konkreten Aufgaben für die jeweiligen Akteure abzuleiten und die kooperative Realisierung zu fördern, war das Ziel unserer beta_meet-Veranstaltung „DVG. Erstattungsfähigkeit für digitale Gesundheitsanwendungen ist ein Etappenziel. Mit Knowhow gemeinsam die Praxis gestalten!“ 

In Kooperation mit dem Bundesverband Internetmedizin (BiM) haben wir diese am Dienstag, 29.10.2019 in unseren Räumlichkeiten durchgeführt. Zahlreiche Vertreter aus der Start-up-Szene, der Krankenkassen, Politik und Industrie haben nicht nur angeregt und erwartbar kontrovers über das Digitale-Versorgung-Gesetz diskutiert, sondern auch die Veranstaltungsidee eines agilen Vernetzungs- und Arbeitsraums zum Leben erweckt. 

Ignite Talks: Die App auf Rezept ist die Lösung!?

Die Diskussion zu entzünden, den vorliegenden Gesetzentwurf zur „App auf Rezept“ pointiert zu bewerten und Herausforderungen sowie Aufgaben für die jeweiligen Akteure aufzuzeigen, übernahmen die drei Speaker der Ignite Talks:  Timo Frank, # Gesundheit, Sebastian Vorberg, BiM, und Dr. Elmar Waldschmidt, Big direkt gesund und Healthy Hub 

„Alle mitnehmen.“ Das ist der Wunsch und die Erwartungshaltung an die Politik bei der digitalen Transformation des Gesundheitswesens, die Timo Frank von # Gesundheit hat. Zurzeit sei es aber so, dass Rahmenbedingungen für Innovationen und Digitalisierung gesetzt werden, ohne dass die Sicht der Menschen mit Behinderung Eingang finde in die Diskussion: „Barrierefreiheit geht sehr oft unter.“ Wichtige sei es auch, die Digitalkompetenz bei den Leistungserbringern bereits in Studium und Ausbildung aufzubauen. Denn, so stellt Frank fest: „Digital ist nicht alles, aber viel!“ 

Dr. Elmar Waldschmitt, BIG direkt gesund und Geschäftsführer des Healthy Hubs fordert: Der erste Gesundheitsmarkt muss flexibler werden. Sonst finden die Innovationen auf dem zweiten Gesundheitsmarkt statt. Vor allem die Krankenkassen und Leistungserbringer seien im Kontext der Digitalisierung gefragt, vertraute und vertrauenswürdige Partner für Kunden bzw. Patienten zu sein und dieses Feld nicht branchenfremden Tech Playern zu überlassen. 

In allen drei Ignite Talks wurde die Einschätzung geäußert: Mit dem derzeitigen Entwurf zur App auf Rezept schafft Deutschland noch nicht die idealen Rahmenbedingungen für DiGAs. Wichtig sei es, hier gemeinsam in die weitere Ausgestaltung zu gehen. 

Konsequenterweise rief Sebastian Vorberg, Vorsitzender des Bundesverbands Internetmedizin (BiM), zur gemeinsamen Interessenvertretung auf.Dass es keinen echten Spitzenverband der Hersteller gebe, sei knapp an einer Blamage vorbei. Natürlich wisse er um die Herausforderung, denn Selbstverwaltung, Verbandsarbeit, das sei Fleißarbeit.„Hier sind Helden gesucht!“, so Vorberg. Auf die Frage, ob es wirklich weiterer, neuer Verbände bedürfe, betonte er: „Gerne. Es soll sich entladen. Wir brauchen die Energie.“ Aber danach sei es wichtig, die Energie wieder zu bündeln und zu kooperieren. 

Agile Gesetzgebung als Chance und Herausforderung

Deutlich wurde auf der Veranstaltung auch: Der vom Gesetzgeber angekündigte agile Gesetzgebungsprozess ist Chance und Herausforderung zugleich, denn Einzelaspekt des Gesetzentwurfes und der zu erwartenden Verordnung werfen noch offene Fragen auf. Der konstruktive Umgang mit diesen, die unweigerlich zu einem iterativen Prozess gehören, muss gelernt werden: „Das ist ein Lernprozess. Das müssen wir üben. Und auch den Mut haben, das zu üben“, so Karsten Knöppler, _fbeta. Deshalb sei es jetzt an der Zeit, über das Diskutieren hinaus die nächsten Schritte zu gehen  

Impulse und konkrete How tos für die Akteure

Ganz in diesem Zeichen stand dann auch der Impulsvortrag von Karsten Knöppler, _fbeta, der die konkreten Herausforderungen für die Akteure erläuterte unter Berücksichtigung der Optionen und Limitationen der Zugangswege in den 1. Gesundheitsmarkt. „Das Gesundheitswesen ist durch die Vorgaben im SGB ist darauf trainiert, klare Kanäle zu haben. Eine Herausforderung für die Hersteller von Digital-Health-Anwendungen, die ihre Produkte am Bedarf der Kunden und nicht am SGB ausrichten.   

Für die Start-ups bedeute das vor allem, über die Produktidee und -konzeption hinaus Klarheit darüber zu gewinnen, welche Variante des Zugangs in die GKV die individuell beste ist:Die optimale Kombination aus Studiendesign, Zertifizierung, Nutzenbewertung und Preis ist nicht leicht zu finden 

Wenn das in der Marktzugangsstrategie frühzeitig durchdacht wird, kann der Marktzugang trotzdem schnell und sicher erfolgen. 

Aber auch die anderen Akteure wie Krankenkassen und Leistungserbringer sind gefordert, ihre neuen Möglichkeiten und Verantwortlichkeiten vor dem Hintergrund einer agilen Gesetzgebung kontinuierlich zu prüfen und Maßnahmen zu ergreifen. Hier vor allem, sich nicht der Verantwortung zu entziehen, für mehr Transparenz zur Qualität der Digital-Health-Anwendungen zu sorgen: Fachgesellschaften und Krankenkassen sollten sich in der Bewertung von digitalen Angeboten gemeinsam engagieren, denn hier werden oft Prozesse und Rollen über die Anwendungen neu definiert – zu einer Integrierten Versorgung 4.0. 

Agiler Vernetzungs- und Arbeitsraums zum Leben erweckt

In den abschließenden Themen-Cafés diskutierten die Gäste vor allem das disruptive Potenzial mit dem digitale Gesundheitsanwendungen die starren Strukturen und Denkweisen des Gesundheitssystems infrage stellen sowie die Frage „Welche Anforderung an Sicherheits-, Nutzen– und Wirksamkeitsnachweise zu stellen seien?“ Dass aber grundsätzlich die Erstattungsfähigkeit für digitale Gesundheitsanwendungen ein wichtiges Etappenziel ist, darüber bestand breite Einigkeit. Hier besteht derzeit die Chance für die Politik, Deutschland mit angemessenen Rahmenbedingungen im internationalen Vergleich als Innovationstreiber für Digital Health zu positionieren. 

Weitere Themen und Termine in der Veranstaltungsreihe

An dem Abend hatten die Gäste die Gelegenheit, Themenwünsche für nachfolgende beta_works ins „Themenbacklog“ der Veranstaltungsreihe einzubringen. Der nächste Termin in unserer Veranstaltungsreihe ist an Start-ups gerichtet, die in die GKV wollen. Anhand einer Case Study werden wir in einem beta_work ganz praktisch die relevanten Transferschritte einer Digital-Health-Anwendung in den 1. Gesundheitsmarkt beispielhaft durchgearbeitet.  

Dienstag, 19. November 2019, 16 Uhr  

beta_work: „DiGA: Welche Variante des Zugangs ist die beste?  
Transfer von digitalen Gesundheitsanwendungen in den 1. Gesundheitsmarkt – Case Study“  

Anmeldung auf Eventbrite 

 

Fotos: Joerg Frank

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Welche Herausforderung möchten Sie meistern?

Lassen Sie uns sprechen!